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Ernst Heckelmann

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Bilder aus dem Oberland
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... Ernst Heckelmanns Wahrnehmung heimatlicher Gebirgslandschaft ist eine mit raschem breiten Pinsel über das Papier gewischte, bewegte, dynamische Flüchtigkeit - changierend in den Grenzerfahrungen zwischen der Wiedergabe des realen, augenblickshaften visuellen Eindrucks und dem sich Anvertrauen einer aus dem Inneren einer archetypischen Gebirgsphantasie herausdrängenden, sich aus rationalen Fesseln befreienden malerischen Gestik. Diese oft lawinenartig, ja fast chaotisch erscheinenden Strukturen innerhalb der bildlichen Formationen, die der >Idee Bergnatur< entspringen, sind - malerisch gesehen - abstrakt, wild, eruptiv-spontan. Sie drängen aber den Betrachter, ob er es will oder nicht, diese wieder zurückzuübersetzen und mit eigenen Bilderfahrungen von Gebirgswahrnehmung abzugleichen.

Die Eroberung des >Hochlandes< als eine seiner >Seelenlandschaften< ist geprägt von Kindheitserinnerungen des frühen, noch ganz bescheidenen Nachkriegstourismus, der - unter anderem - in der damals noch weitgehenden Unberührtheit der Bergwelt das symbolische Erlebnis eines >bedeutungsoffenen Raumes< (Rilke) als >Blick in eine neu aufzubauende Zukunft< mittels >Urlaub< ritualisierte. Es ist die Zeit, in der auch in der Kunst der Fotografie die sportlich-bewegte Bildreportage und ein gewisser Geschwindigkeits-Rausch in die Bildgestaltung Einzug hält: Die Kamera wird vom Stativ genommen, verfolgt einen Skifahrer, einen Sportler, sie wird bei der Aufnahme >mitgerissen<: Der Hintergrund wird unscharf, verschwimmt. Das >Stürmende, Bewegte< in Heckelmanns Gebirgsbildern spielt darauf an. Dies ist aber nur ein eher vordergründiger Aspekt, wie man Bilder von Ernst Heckelmann betrachten kann. Die eigentliche elterliche Welt, in die Heckelmann hineingeboren wurde, ist die Kunst - der Vater ist ein damals in Schwabing bekannter Maler, steht mitten in seiner Zeit und nimmt regen Anteil an allen künstlerrischen, gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Neuerungen, die schon die eigene Familientradition prägen: Der Großvater Ernst Heckelmanns ist als Ingenieur wesentlich an der Planung und Konstruktion der Zugspitzbahn beteiligt.

Ernst Heckelmann verbleibt nicht in der Kunstauffassung seiner vorausgehenden Generation, stürmt voran, saugt alles mögliche auf, erobert sich neue Horizonte und beschäftigt sich beispielsweise mit Pollock und Beuys. Dem Umfeld der >Jungen Wilden< und der Szene des >Action Painting< fühlt sich Heckelmann durchaus zugehörig. Das >Oberland wird für ihn nicht zuletzt Folie von Informel-Berechnungen. Das Ringen um Kunststile und Kunstphilosophien, um die Hervorhebungsmerkmale im Kunstbetrieb ist aber noch nicht das eigentlich Faszinierdende an Heckelmanns Gebirgsbildern. Bei einigen fällt eine abgründige, kalte, eisige Wucht im Duktus auf: Gefährliche, riesige Lawinen stürzen zerstörerisch ins Bodenlose. Diese Schicht hinter der Landschaftsmalerei geht unter die Haut, ist eine Parabel für die existentielle Haltlosigkeit der Moderne gerade dann, wenn sie sich in >Höhen< glaubt. Es ist der späte Reflex der >Gebirgsangst<, die als psychisches Phänomen seit der Antike bis ins 16.und 17. Jahrhundert - etwa bei Barthold Hinrich Brockes - immer wieder beschrieben wurde, mit Rousseau und der Aufklärung sozusagen >entmythologisiert< wird und dennoch untergründig und verdrängt in unsere Zeit weiterwirkt. (Stefan Hirsch)

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